Vom DCS zum CCS – D-Star callsign routing wird zum Kinderspiel

Die Herausforderung – parameter setting
Schwierig, undurchschaubar und z.T. abschreckend für jeden Einsteiger in die neue Welt der DV-Betriebsart
D-Star war und ist die Auseinandersetzung mit den vielen Parametern, die vor der erfolgreichen Aufnahme des Funkbetriebs eingestellt werden müssen. Ist die erste Hürde dann geschafft, die wichtigsten Parameter in den Tiefen der Menüstruktur des D-Star TRX eingestellt, die Verbindung zu einem D-Star Repeater in der Nähe aufgebaut und das erste D-Star QSO gemacht, kommt die nächste Stufe. Wie kann ich denn die vielfältigen Möglichkeiten und Vorteile des D-Star nutzen? Wie verbinde ich mich mit anderen Repeatern oder anderen OM’s auf der ganzen Welt – so wie es die ICOM-Werbung vollmundig verspricht? Hier versagt das mitgelieferte Bedienhandbuch zum TRX kläglich und gibt meist keine Auskunft über die richtigen Verfahren und die real existierende Welt der D-Star Netze.

Die Welt der D-Star-Netze – ein wenig unübersichtlich
Diese Welt hat sich parallel zu den verfügbaren Geräten und – Gott sei Dank – meist abseits der komerziellen Anbieter entwickelt. Allerdings auch mit allen Nachteilen, die den D-Star-Betrieb nicht immer einfach aber immer experimentell machen.
Hat sich der interessierte OM erst einmal mit den Begriffen wie X-Trust, STARNet, D-Plus, callsign routing, DCS-Reflectoren, X-Reflector etc. auseinander gesetzt, wird er schnell feststellen, dass er sich in einem hoch dynamisch, sich fast täglich ändernden Umfeld bewegt. Hat er dann das Glück und trifft auf einen verständnisvollen OM, der in einer ruhigen Minute die richtigen Worte findet, um diese doch recht komplexe Thematik anschaulich zu vermitteln, ist schon viel geschafft. Eine gute Strategie ist es auch, sich mit dem Relaisverantwortlichen des eigenen Einstiegs-Repeaters in Verbindung zu setzten um heraus zu finden, wie der verwendete Repeater ins D-Star-Netz eingebunden ist und welche Möglichkeiten des weltweiten Funkbetriebs sich damit ergeben. Hier gibt es nämlich z.Zt. noch sehr unterschiedliche Möglichkeiten, aktive Netze und Systeme.
Ich möchte im folgenden nicht auf die Entwicklung der unterschiedlichen D-Star-Netze eingehen, das wäre wohl ein ganz eigener Betrag. Vielmehr möchte ich beschreiben, wie sich die aktuelle Situation für die meisten der in DL arbeitenden Repeater darstellt und welche neuen Entwicklungen es hier gibt.

DCS-Reflectoren – eine deutliche Verbesserung
Die Digital Call Server, kurz DCS genannt, sind Server, die seit Aprill 2012 ein transparentes und strukturiertes callsign routing ermöglichen. Sie ersetzen Zug um Zug die teilweise noch in Betrieb befindliche Generation der XReflektoren und machen sichere Mehrpunktverbindungen möglich. Aktuell gibt es 17 dieser DCS-Reflektoren. Diese sind unterschiedlichen Ländern oder Ländergruppen zugeordnet. Eine Übersicht über den Livebetrieb und die aktuelle Struktur dieser Server gibt es unter http://xreflector.net. Dabei stellt der DCS001 den deutschen Server dar, der in 26 weitere „Räume“ (A bis Z) unterteilt ist, auf die beliebig verlinkt werden kann. DB0ULM ist i.d.R. auf „DCS001 R“ mit dem Namen „DL-Sued“ „geparkt“. Jeder, der in diesen Raum verlinkt, ist hört jeden. Die Reflektoren bieten somit die Zusammenschaltung mehrerer Repeater oder sonstiger Teilnehmer an der Betriebsart D-Star. Eine Umschaltung auf andere „Räume“ oder Reflektoren ist mittels Eingabe geeigneter DTMF-Codes (siehe Spalte „DTMF“) auch im Repeaterbetrieb möglich.

Group-Info des DCS001 – „Räume“ A bis Z

Über die o.g. URL kann man auch sehr schön überprüfen, ob der eigene Einstiegs-Repeater auf einen DCS-Server verlinkt ist und wenn ja, wo dort. Die Verlinkung gibt dann auch Auskunft, wohin meine D-Star-Aussendung überall ausgestrahlt wird, falls ich über einen dieser verlinkten Repeater arbeite, denn alle, im entsprechenden „Raum“ hören mit, bzw. strahlen die empfangene Aussendung ab.

verlinkte Stationen in Gruppe DL-Sued auf DCS001

Die Weiterentwicklung der DCS-Reflektoren und der verwendeten Protokolle haben noch weitere Verbesserungen gebracht. So wird der Haeder der digitalen Aussendung nicht nur am Anfang gesendet, sondern alle 200 ms während der Aussendung wiederholt. Damit bricht die Linkstrecke und das QSO nicht total zusammen, wenn die Aussendung unterbrochen wird, sondern wird lediglich etwas „löchrig“ und bleibt damit meist verständlich.

Die nächste Stufe im callsign routing heisst CCS – Call Connection Service
Die Entwicklung geht weiter und der tägliche Betrieb und die Rückmeldungen der vielen OM’s fliessen in die Weiterentwicklung der Systeme mit ein. Trotz transparenter und deutlich klarerer Struktur der DCS-Reflektoren ist die Bedienung und das Handling immer noch reichlich komplex. Hat man den Computer neben sich, geht es einigermaßen, aber das kann nicht Sinn und Zweck dieser interessanten Betriebsart sein. CCS soll nun alles noch einfacher machen.

Was soll CCS bringen?

  • Vollautomatisches weltweites Routing zwischen zwei Funkamateuren
  • einfachste Bedienung, also praktisch gar keine Bedienung außer PTT drücken und sprechen und das kann jeder
  • Übersichtlichkeit: der Benutzer hat jederzeit Überblick über beide Enden der Kommunikation
  • Jeder hört jeden: alle am Gespräch beteiligten können sich immer hören
  • Enthält alle Eigenschaften von ICOM Callsign-Routing, IrcDDB, D-Plus und StarNET und kann diese vier Systeme vollständig ersetzen, der Benutzer braucht sich keine spezielle Bedienung mehr zu merken
  • Länderübergreifend, weltweit funktionsfähig
  • Durch Zuteilung einen rufzeichenabhängigen DTMF-Codes auch callsign routing via DTMF möglich

Systemvoraussetzungen

Das CCS-System ist im Aufbau begriffen. Das bedeutet, dass erst alle im Netz befindlichen Controller-Systeme auf das neue CCS-Protokoll angepasst werden müssen. Das braucht sicherlich noch etwas Zeit und vielleicht auch ein paar Nerven der Beteiligten.
Zur Zeit (Stand Anfang Oktober 2012) ergibt sich folgendes Bild:

  • DV-RPTR Control-Center (siehe Beitrag über den eigenen Hotspot) als Dongle, Hotspot oder Repeater enthält aktuell die komplette CCS Funktionalität
  • Cient für ICOM Repeater: in Kürze für weltweiten Einsatz verfügbar
  • Jonathan’s, G4KLX, Gateway und Repeater: Update in Kürze geplant

Es bleibt zu wünschen, dass sich ein durchgängig einheitliches Protokoll für ein gemeinsames callsing routing in D-Star durchsetzt und somit einen „grenzenlosen“ Verkehr in dieser interessanten Betriebsart ermöglicht.

Es liegt also an den SysOps der in Betrieb befindlichen Repeatersysteme vor Ort, ihre jeweils eingesetzte Controller- und Gateway-Software auf den aktuellen Stand zu bringen und so jedem OM, der über einen Repeater ins D-Star-Netz einsteigt, diese neuen Möglichkeiten im callsign routing zu eröffnen. DB0ULM läuft derzeit mit der Controller-Software nach G4KLX und wird sicherlich ein Update erfahren, sobald das neue CCS-Protokoll implementiert und stabil lauffähig ist.
All denjenigen, die keine Gelegenheit haben, den Einstieg über einen erreichbaren Repeater zu realisieren, bleibt immer noch die Möglichkeit, sich mit überschaubaren Mitteln einen eigen Hotspot aufzubauen um D-Star-QRV zu werden.

Der CCS-Reiter im Control Center der DV-RPTR-Platine

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