DCS, oder: warum jetzt schon wieder ein neues Reflektorsystem?

Durch Reflektoren wird D-STAR erst richtig schön. Anders als bei Echolink, bei dem es zwar auch Konferenzserver gibt, aber die Links von Relais zu Relais doch eher die Regel sind, spielt sich bei D-STAR alles in den wenigen populären Reflektoren ab, so bis vor Kurzem dem „Deutschland-Reflektor“ XRF010 B. Das ist auch gut so, denn zwar steigt die Anzahl der Gerätebesitzer deutlich an, aber die Anzahl der D-Star-Aktiven bleibt doch konstant bei gefühlten 5-10 … und nun hat sich die alternative X-Net-Truppe wieder etwas Neues einfallen lassen und beschert uns DCS.

Babylonische Verwirrung? Nein, es gibt gute technische Gründe für den Umstieg.

Die ersten Reflektoren hießen mit Vornamen REF und gehören zum DPLUS-System. Sie sind vor allem bei Original-ICOM-Systemen verbreitet. Die X-Reflektoren (XRF) dagegen wurden von Anfang an vor allem von Selbstbau-Relaisfunkstellen frequentiert, wobei das System an sich offen ist.

Die Bedienung beider Systeme ist identisch, und beide haben einen gewaltigen Nachteil – die für das Routing wichtigen Rufzeichen-Informationen werden nur bei Drücken der Sprechtaste übertragen und nicht etwa kontinuierlich. Wenn daher während der Aussendung eine Störung auftritt, bricht das Routing zusammen.

Natürlich gab es einen Grund, das so zu machen – Bandbreite. Die Datenrate eines D-Star-Signals beträgt nur 4800 bit/s, davon sind 1200 bit/s für die Datenübertragung reserviert. Da tut jedes Byte weh. Dank Fehlersicherung (FEC, forward error correction) stehen übrigens von den verbleibenden 3600 bit/s nur 2400 wirklich für Sprache zur Verfügung (Coderate 1,5), das ist schon eine echte Leistung, und man hat dann doch vielleicht Verständnis, dass der AMBE-Vocoder nicht kostenlos zur Verfügung steht oder „mal eben so“ jemand eine Software entwickelt, die mit einer ebenso guten Kompression aufwartet.

Aber diese japanische Genügsamkeit hat doch auch Nachteile, siehe oben. Beim DCS-Konzept wird nun zumindest auf den Linkstrecken die Rufzeicheninformation alle 20 ms übertragen (an der Luftschnittstelle hat sich ja nichts geändert). Die Folge: bei Störungen mit kurzzeitigem Datenverlust erholt sich die Verbindung sehr schnell wieder. Das merkt man auch, wenn man z.B. den örtlichen Repeater auf einen DCS-Reflektor verlinkt. Bei auf dem Reflektor laufenden Konversationen musste man bei REF oder XRF bis zur nächsten Mikrophonübergabe warten, bis etwas zu hören war. Dies führte oft zu vorschnellem Drücken auf die Sprechtaste nebst erneutem Datenverlust. Bei DCS wird unmittelbar zugeschaltet, mitten im Satz. Eine Chance weniger, zu schnell die Sprechtaste zu drücken. Und selbst wenn, der Schaden hält sich in Grenzen, denn sobald die Kollision aufgehoben ist, ist das Signal wieder da.

Dies ist der Hauptvorteil von DCS. Daneben gibt es andere nette Features, so die 26 Räume pro Reflektor und die gestern bereits diskutierte DTMF-Steuerung.

Aber das Beste daran – Amateurfunk bleibt Experimentalfunkdienst, der sich nur, der Zeit entsprechend, nicht mehr nur im Entwickeln von Endgeräten ausdrückt, sondern in der kreativen Weiterentwicklung von Netwerk-Protokollen.

(Quelle: Internet, vor allem Texte von DJ0ABR)

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